Niederzurren
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Aktualisiert am: 03.12.2025
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Definition: Niederzurren ist eine kraftschlüssige Methode zur Ladungssicherung, bei der die Ladung durch die Vorspannkräfte von Zurrgurten nach unten auf die Ladefläche gedrückt wird.
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Wirkung: Durch das Niederzurren wird die Reibungskraft zwischen Ladegut und Ladefläche erhöht, wodurch ein Verrutschen verhindert wird.
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Ziel: Ladungssicherung im Straßenverkehr und Vermeidung von Schäden am Transportgut und Fahrzeug.
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Vorteile: Schnelle und bekannteste Art, formstabile Ladeeinheiten auf der Ladefläche zu sichern.
Fachtexte von
Ladungssicherungs-Profis
Das Thema in Kürze
- Anwendung:
- Einsatz rutschhemmender Unterlagen (z. B. Antirutschmatten) zur Erhöhung des Reibwerts.
- Verwendung geeigneter Zurrmittel (z. B. Zurrgurte / Spanngurte nach EN 12195‑2, Zurrketten nach EN 12195‑3) und geprüfter Zurrpunkte (DIN EN 12640).
- Die Auswahl des richtigen Hilfsmittels und die korrekte Anzahl sind abhängig von Gewicht, Reibwert und Beschleunigungsbeiwerten.
- Der Zurrwinkel (α) zwischen Zurrmittel und Ladefläche beeinflusst die Wirkung maßgeblich: Je steiler der Winkel, desto effektiver.
- Anlegen geeigneter Hilfsmittel zum Verzurren über dem Transportgut, Spannen der Ratsche, Kontrolle und ggf. Nachspannen während der Fahrt.
- Bei Verwendung mehrerer Zurrgurte sind diese wechselseitig anzubringen.
- Gemäß § 22 Abs. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): „Die Ladung … ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin‑ und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“
- Hilfsmittel müssen Normen wie DIN EN 12195‑2 (Zurrgurte / Spanngurte) oder DIN EN 12195‑3 (Zurrketten) entsprechen.
- Sicht- und Funktionsprüfung der Ladungssicherungshilfsmittel vor jedem Gebrauch
- Zurrgurte (mit Ratsche und Endbeschlag) nach Normen wie EN 12195‑2; Kennzeichnung von STF (Standard Tension Force) und SHF (Standard Hand Force) in daN und LC (Lashing Capacity).
- Zurrketten nach Norm EN 12195‑3; geeignet für schwere Lasten (immer mit Kantenschoner verwenden).
- Zubehör wie Antirutschmatten, Kantenschoner, geprüfte Punkte zum Verzurren und Ladehilfsmittel als Ergänzung zur sicheren und effektiven Niederzurrung.
Das Thema im Detail
Was ist Niederzurren
Beim Niederzurren handelt es sich um eine Technik der Ladungssicherung, bei der die Fracht mithilfe von Zurrmitteln (z. B. Zurrgurten) kraftschlüssig auf der Ladefläche fixiert wird: Die Fracht wird nach unten gedrückt, wodurch die Gewichtskraft, also die Kraft, mit der die Ladung aufliegt, erhöht wird. In Verbindung mit einer Antirutschmatte wird die Reibung zwischen Ladegut und Ladefläche vergrößert und ein Verrutschen wirksam verhindert. Im Unterschied zu Formschluss oder Direktzurrung, bei der die Ladung hauptsächlich durch die maximale Zugkraft (LC) des Zurrmittels in ihrer Position gehalten wird, stützt sich das Niederzurren auf die Erhöhung der Reibungskraft zwischen Ladegut und Untergrund. Technisch bedeutet das: Ein Zurrgurt wird über die Ladung gelegt und an zugelassenen Zurrpunkten befestigt. Durch das Spannen (Vorspannkraft = STF) wird eine Kraft erzeugt, die das Ladegut niederzurrt.
Warum ist Niederzurren wichtig?
- Verhinderung von Ladungsverschiebung: Im normalen Fahrzeugbetrieb wirken beim Bremsen, Beschleunigen oder Kurvenfahren Kräfte auf die Ladung, die ein Verrutschen, Kippen oder sogar Herausfallen bewirken können. Eine nicht gesicherte oder unzureichend gesicherte Fracht stellt eine Gefahr für Fahrzeugführer und andere Verkehrsteilnehmende dar.
- Schadensvermeidung: Ungeeignete Ladungssicherung kann zu Beschädigungen von Gütern und Fahrzeug oder zu Verkehrsunfällen führen. Durch korrekt verzurrte Ladung lassen sich diese Risiken erheblich reduzieren.
- Rechts‑ und normativer Rahmen: In Deutschland gelten für den gewerblichen Transport bestimmte Anforderungen an die Ladungssicherung (z. B. VDI‑Richtlinien 2700 und europäische Normen wie EN 12195‑1). Das Niederzurren ist eine anerkannte Methode zur Umsetzung dieser Anforderungen.
- Praktische Anwendung: Gerade bei formstabilen Ladeeinheiten auf ebenen Transportflächen ist Niederzurren eine wirtschaftlich und technisch sinnvolle Methode der Ladungssicherung.
Wie funktioniert Niederzurren? Technik im Überblick
3.1 Physikalisches Wirkprinzip
- Beim Spannen des Zurrmittels entsteht durch die genormte Handkraft (SHF) von 50 daN eine Vorspannkraft (STF), die das Ladegut nach unten drückt und so die Gewichtskraft erhöht.
- Die Kraft (Gewichtskraft senkrecht zur Ladefläche) steigt dadurch, wodurch die Reibungskraft steigt: FR = FG ⋅ µ in daN. Die Reibungskraft berechnet sich aus dem Reibbeiwert multipliziert mit der Gewichtskraft der Ladung.
- Die erhöhte Reibkraft verhindert ein Verrutschen der Ladung bei dynamischen Kräften im Fahrbetrieb.
- Der Zurrwinkel α (zwischen Ladefläche und Hilfsmittel in der Senkrechten gemessen) beeinflusst die Wirksamkeit: Je größer der Zurrwinkel beim Niederzurren, desto wirkungsvoller. Empfohlen wird ein Winkel von mindestens 35°.
3.2 Anwendungsschritte
- Ladung vorbereiten: Ladegut gleichmäßig verteilen (Lastverteilungsplan), nach Möglichkeit bereits formschlüssig positionieren (keine Lücken).
- Rutschhemmende Unterlagen verwenden: Antirutschmatten oder Beläge erhöhen den Reibwert μ und verbessern die Wirkung der Niederzurrung (min. μ=0,6).
- Hilfsmittel auswählen: Geeignete Zurrgurte oder Ketten mit ausreichender Zurrkapazität (STF) und guter Zustand.
- Punkte zum Verzurren wählen: Fahrzeuge müssen über geprüfte Zurrpunkte verfügen (z. B. nach EN 12640).
- Spanntätigkeit ausführen: Zurrmittel korrekt über das Transportgut legen, Ratsche oder Spannmechanismus betätigen, Vorspannkraft erzeugen.
- Kontrolle: Prüfen, ob Ladung festliegt, keine Beschädigungen oder Verdrehungen des Gurtbandes vorliegen (Ablegereife)
- Nachkontrolle während Fahrt: Schon nach kurzer Fahrt kann sich das Ladegut durch normale Fahrbewegungen setzen. Entsprechend muss der Fahrer die Gurte nachziehen und prüfen, ob sich etwas gelöst oder verschoben hat.
3.3 Hinweise zur Berechnung
- Die tatsächlich erforderliche Vorspannkraft FV zum Niederzurren, ergibt sich aus der DIN EN 12195-1. In der Berechnung enthalten sind u. a. Reibwert, Beschleunigungsbeiwert, Ladungsgewicht, Sicherheitsbeiwert, Zurrwinkel
- Insbesondere bei niedrigem Reibungswiderstand (z. B. Metall auf Metall) steigt der Aufwand, da viele Zurrmittel oder hohe Vorspannkräfte benötigt werden, um denselben Effekt zu erzielen.
Was ist bei der Niederzurrung zu beachten? Praxisempfehlungen
- Antirutschmatten verwenden: Sie erhöhen den Reibwert und reduzieren die Anzahl der benötigten Zurrgurte.
- Zurrwinkel berücksichtigen: Ein steilerer Zurrwinkel (gegenüber der Ladefläche) erhöht die Wirksamkeit. Mindestwinkel von mehr als 35° beachten.
- Nicht zu wenig, nicht zu viel spannen: Zu geringe Vorspannkraft reduziert die Wirkung; zu starke Spannung kann Ladung, Transportfläche oder Hilfsmittel beschädigen.
- Gute Zurrmittel und genormte Zurrpunkte verwenden: Beschädigte Gurte oder ungeeignete Zurrpunkte können die Sicherheit erheblich beeinträchtigen.
- Mindestens zwei Zurrmittel pro freistehender Ladeeinheit: Allgemeiner Praxiswert zur Erhöhung der Sicherheit. Diese können ein „Durchrutschen“ der Ladung unter dem Zurrgurt verhindern. Sie sollten wechselseitig angebracht werden.
- Verwendung von Kantenschutzwinkeln: Durch die besseren Gleiteigenschaften (K-Faktor) bei der Verwendung von Kantenschutz werden bei der Niederzurrung auf der gegenüberliegenden Seite des Spannelementes bessere Vorspannkräfte erreicht. Außerdem dienen diese dem Schutz von Ladung und Gurtmaterial.
- Dokumentation und Nachweisführung: Bei gewerblichem Transport empfiehlt sich ein Nachweis über angewandte Sicherungsmethoden (z. B. Fotos, Prüfprotokolle).
- Regelmäßige Kontrolle während der Fahrt: Schon kurz nach Beginn der Fahrt, besonders nach starkem Bremsen, Kurvenfahren oder bei langen Transporten.
Was sind typische Fehler beim Niederzurren?
- Niedriger Reibwert (z. B. glatte Metallflächen) erschwert die Niederzurrung erheblich: Es sind viele Zurrmittel nötig oder die Methode stößt an Grenzen.
- Ungeeignete Zurrmittel oder Zurrpunkte: Ablegereife Gurte oder ungeeignete Fahrzeugaufbauten sorgen für eine mangelnde Ladungssicherung. Ablegereife oder beschädigte Gurte dürfen nicht verwendet werden.
- Falscher Zurrwinkel oder ungünstige Geometrie: Wenn der Winkel zu flach ist, reduziert sich die Vorspannkraft deutlich.
- Nicht berücksichtigte Kipp‑ oder Drehmomente: Bei kippgefährdeten Ladungseinheiten reicht Niederzurren allein manchmal nicht aus. Hier ist eine zusätzliche Sicherung erforderlich wie z. B. Formschluss oder Kopflashing.
- Beschädigung der Ladung: Zu hohe Vorspannung kann Ladung beschädigen, insbesondere empfindliche Güter.
- Keine Nachkontrolle oder Wartung: Zurrmittel unterliegen bei häufigem Gebrauch einem schnellen Verschleiß, fehlende Kontrolle erhöht das Risiko. Zurrgurte sind vor jeder Verwendung einer Kurzprüfung zu unterziehen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie viel Zurrkraft muss ich beim Niederzurren aufbringen?
Bei einer formstabilen Ladeeinheit können Vorspannkräfte, wie auf dem blauen Zurrgurtetikett lesbar, durch ratschen aufgebracht werden – vorausgesetzt, Ladung, Gewicht und Zurrpunkte sind aufeinander abgestimmt. Um die angegebene Vorspannkraft (STF) zu erreichen, wird eine Handkraft (SHF) von 50 daN benötigt. Wird der Zurrgurt nicht maximal möglich gezurrt, spricht man von einem Niederhalten.
Was passiert, wenn die Zurrkraft zu niedrig ist?
Wenn die Zurrkraft nicht ausreicht, besteht die Gefahr, dass sich die Ladung während des Transports verschiebt, was zu Schäden oder sogar Unfällen führen kann.
Kann ich das Niederzurren auch bei empfindlicheren Gütern anwenden?
Wenn die Gefahr besteht, dass die Ware durch eine Niederzurrung beschädigt werden könnte, sind andere bekannte Zurrmethoden zu verwenden. Diese wären der Formschluss oder ein Direktzurrverfahren. Durch Erhöhung der Reibung in Form von Antirutschmatten, können Zurrkräfte reduziert und somit auch empfindliche Güter geschützt werden.
Wie oft muss ich die Ladung während der Fahrt nachprüfen?
Vor Fahrtbeginn ist die Ladungssicherung von Fahrer und Verlader/Absender zu prüfen. Schon beim Verlassen des Verladehofs, kann es durch Fahrbewegungen zu Ladungsverschiebungen kommen. Es empfiehlt sich, schon kurz nach Fahrtbeginn und bei gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen des Fahrers, die Ladungssicherung zu kontrollieren.
Was tun, wenn die Zurrpunkte am Fahrzeug nicht ausreichen?
Weitere Hilfsmittel in der Ladungssicherung sind Sperrsysteme Zwischenwandverschlüsse, Ladebalken, Sperrbalken und Klemmstangen sind mittlerweile geeignete und häufig verwendete Lasi-Artikel. Sie machen sich das Prinzip des Formschlusses zunutze: Sie werden nah am Ladegut angelegt und wirken so einem Verschieben auf der Ladefläche entgegen. Die Verwendung von Antirutschmatten ist zu empfehlen.
Sind Nieder- und Diagonalzurren das Gleiche?
Nein. Beim Niederzurren wird eine vertikale Kraft erzeugt, die das Transportgut nach unten auf die Ladefläche drückt Diese Methode ist besonders geeignet für formstabile Fracht wie Palettenware, Kisten oder Möbel. Man spricht hierbei von einer kraftschlüssigen Sicherungsmethode. Im Gegensatz dazu zählt das Diagonalzurren zu den formschlüssigen Sicherungsmethoden. Diese Technik ist besonders sinnvoll bei unregelmäßig geformten oder runden Ladungsteilen, bei denen die Fracht sowohl in der Fahrtrichtung als auch seitlich oder kippend gesichert werden muss, um jegliche Bewegung zu verhindern.
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