VDI 2700 - Richtlinien der Ladungssicherung

Die VDI Richtlinie 2700 ff. gilt mittlerweile seit über einem Jahrzehnt als Grundlagenwerk der Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen. Die Richtlinienreihe erschien im Jahr 2004 und ist seitdem das Leitwerk für betroffene Berufskraftfahrer, Spediteure, Fuhrunternehmer, aber auch für Richter und die Polizei. Jährlich kommt es auf deutschen Straßen durchschnittlich zu 2.500 Unfällen, die durch mangelnde Ladungssicherung hervorgerufen werden. Die Schäden hierdurch belaufen sich in etwa auf 500 Millionen Euro. Die VDI 2700 zur Ladungssicherung soll diesen Schäden entgegenwirken. In ihr wird beschrieben, welche Kräfte auf der Ladefläche wirken, wie Ware gesichert werden kann und wie spezielle Packstücke beispielhaft gesichert werden sollten.

Die Geschichte der Ladungssicherung

Erste Gedanken zur Ladungssicherung erfolgten anfänglich ausschließlich zum Thema Gefahrgut. Im Jahr 1957 entstand ein Übereinkommen zur Beförderung gefährlicher Güter, die ADR. Ende der 70er wurden Hebebänder entwickelt, mit denen Waren auf den Ladeflächen verzurrt werden konnten. Deren Herstellung wurde in DIN-Normen standardisiert. Im Jahr 1985 wurde vom Verband deutscher Ingenieure die VDI 2701 herausgegeben. Diese enthielt Richtlinien über Zurrmittel zur Ladungssicherung. Im Anschluss wurden die Zurrgurte entwickelt und ausgereift, was ebenfalls in DIN-Normen festgehalten wurde. 1994 rollte der VDI die Richtlinie 3968 aus, in der erstmals die Sicherung von Ladeeinheiten beschrieben wurde. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde der Königsberger Ladungssicherungskreis geschaffen, der eine Plattform zum Austausch zwischen Polizisten und Fachexperten darstellte. Im Jahr 2002 entstand die VDI 2700a, ein Ausbildungsnachweis zum Thema Ladungssicherung. Zwei Jahre später wurde die heute gültige VDI 2700 zur Ladungssicherung geschaffen, die seitdem ständig erweitert wurde und mittlerweile auf 19 Blättern Grundlagen zum Thema bietet.

Die Inhalte der VDI 2700 ff

Ladungssicherung mit VDI 2700 ist ein Standardprozess, den Spediteure, Fuhrunternehmer und die Fahrer selbst seit dem Jahr 2004 gerne befolgen. Der Straßenverkehr muss sicher sein, weshalb hohe Anforderungen an Menschen, Fahrzeuge und Waren herrschen. Die Gefahren, die von unsicherer Ladung ausgehen, sind groß, weshalb diese pflichtbewusst gesichert werden muss. Die Verlader von Waren auf Straßenfahrzeugen stehen in der Pflicht, Ware transportsicher zu verstauen und Ladungssicherung anzuwenden. In der VDI 2700 ff finden sich die Grundlagen für die sachgerechte Anwendung von Ladungssicherung. Folgende Themen werden behandelt:

- Ausbildung und deren Inhalte
- Berechnung von Kräften auf Packstücke
- Gebrauch von Zurrmitteln
- Hilfsmittel zur Ladungssicherung
- Verteilplan von Lasten
- Qualitätsmanagement
- Zusammenladung von Stückgütern
- Kombinierter Verkehr
- Ladungssicherung bei Papierrollen
- Ladungssicherung bei Betonfertigteilen
- Ladungssicherung bei Betonstahl
- Ladungssicherung bei Getränken
- Großraum- und Schwertransporte
- Ladungssicherung auf Fahrzeugtransportern
- Reibwerte ermitteln
- Rutschhemmende Materialien zur Ladungssicherung
- Transporter bis 7,5 Tonnen
- Absetzkipperfahrzeuge
- Schuttgüter sichern
- Ladungssicherung bei gewickelten Bändern

Ausbildung über VDI 2700a

Eine Besonderheit kommt der VDI 2700a zugute. Hierbei handelt es sich nicht um eine der Grundlagen zur Ladungssicherung, sondern um die Menschen, die sich mit dem Thema befassen. Die VDI 2700a aus dem Jahr 2011 gibt Informationen über eine Ausbildung der Verlader von jeglichen Waren. Es sind Art und Umfang der Ausbildung enthalten. Diese ist in theoretische und praktische Übungen unterteilt. Interessenten können sich nach VDI 2700a schulen lassen und gelten im Anschluss, nach absolvierter Prüfung, als ausgebildete Ladungssicherer. Der Ausbildungsnachweis ist unbegrenzt gültig.

VDI 2700 Blatt 1

Das erste Blatt der Richtlinien zur Ladungssicherung VDI 2700 gibt Auskunft über die Ausbildung im Bereich Ladungssicherung. Bei der Richtlinie aus dem Jahr 2005 stehen die Ausbilder im Vordergrund. Anforderungen und Merkmale über den Inhalt einer korrekten Ausbildung zum Fachpersonal für Ladungssicherung sind enthalten. Aber auch die Anforderungen an den Ausbilder wurden festgehalten, sodass ständig eine hohe Qualität sichergestellt werden kann. Personen, die sich zum Ausbilder fortbilden möchten, können eine Prüfung ablegen, die an die VDI 2700 Blatt 1 angelehnt ist. Schulungssuchende haben die Möglichkeit, ihre Ausbilder nach diesem Qualitätssiegel auszusuchen, da nur dort ein hoher Ausbildungsstandard garantiert werden kann. Über qualitativ hochwertige Schulungen kann dauerhaft erreicht werden, die Ladungssicherung bei Straßentransporten deutlich zu erhöhen.

VDI 2700 Blatt 2

Blatt 2 der VDI 2700 gibt Auskunft darüber, welche Kräfte auf eine Ladung und deren Ladungssicherungsmittel während eines Transportes einwirken. Es lassen sich Berechnungen anstellen, wie eine Ware transportsicher mit Zurrgurten verladen wird. Zunächst werden in dem VDI 2700 Blatt 2 die grundlegenden Annahmen zur Reibung zwischen Ware und Ladefläche sowie zwischen Zurrmittel und Ware beschrieben. Außerdem wird die ausgehende Massekraft der Ware einbezogen. Im Anschluss wird die Standsicherheit der Ware beschrieben. Es wird erklärt, wo Güter an der Längsachse oder quer zur Längsachse am sichersten verladen werden. Der Rest des VDI 2700 Blattes 2 befasst sich ausschließlich mit dem Berechnen vom richtigen Verzurren von Waren. Niederzurren und Direktzurren von frei stehenden und nicht frei stehenden Ladeeinheiten spielen hier eine gewichtige Rolle.

VDI 2700 Blatt 3.1 und 3.2

In den Blättern 3.1 und 3.2 der VDI Richtlinie 2700 erhält der Leser Auskunft über die Hilfsmittel zur Ladungssicherung und deren fachmännischer Gebrauch. VDI 2700 Blatt 3.1 befasst sich ausschließlich um den Einsatz von Zurrmitteln. Hier wird beschrieben, wie Zurrmittel in der Praxis angewendet werden. Eine exakte Erläuterung von Zurrgurten, Zurrketten und Zurrdrahtseilen wird gegeben. Im Anschluss wird Punkt für Punkt der Ablauf beschrieben: das Anlegen der Zurrmittel, die passenden Längen, das Spannen und Sichern sowie das richtige Lösen im Anschluss. Ähnlich verhält es sich mit VDI Richtlinie 2700 Blatt 3.2. Hier werden zunächst die Hilfsmittel zur Ladungssicherung genau beschrieben. Dazu zählen festverbaute Einrichtungen wie Lochschienen, Zurrschienen, Coilmulden, Einsteckrungen und Zahnleisten. Aber auch die Verwendung von weiteren Hilfsmitteln wie Leerpaletten, Luftsäcken, Hartschaumpolster, Netze und Planen werden dem Leser nähergebracht.

VDI 2700 Blatt 5

Das fünfte Blatt der Richtlinie zur Ladungssicherung VDI 2700 behandelt den Punkt der Qualitätssicherung. Anhand dieses Blattes lässt sich die Ladungssicherung als Qualitätsmerkmal für Kunden und sonstige Außenstehende im Unternehmen dauerhaft einführen. Die Richtlinie VDI 2700 Blatt 5 befasst sich daher im Wesentlichen mit dauerhaften Merkmalen, wie der regelmäßigen Prüfung von Ladungssicherungsmaßnahmen oder der Dokumentation von Aufgaben. Die Planung, Durchführung und Kontrolle der Ladungssicherung spielen eine große Rolle beim Qualitätsmanagement und müssen daher in Standards verwandelt werden, die von allen Beteiligten stetig ausgeführt werden können.

VDI 2700 Blatt 8.1 und 8.2

Die Blätter 8.1 und 8.2 der VDI Richtlinie 2700 handeln über das Thema Ladungssicherung auf Fahrzeugtransportern. VDI 2700 Blatt 8.1 gibt Auskunft über das richtige Laden von Pkw, Kleinbusse und Nkw-Kombis unter 4,0 Tonnen momentaner Masse auf einem Transporter. VDI 2700 Blatt 8.2 befasst sich mit der Sicherung von mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen, die ein Gewicht von vier bis zwanzig Tonnen besitzen. Fahrer und Verlader können anhand dieser Richtlinie die jeweiligen Fahrzeuge sicher auf den Transportern befördern, ohne dass eine Gefährdung für den Straßenverkehr entsteht. Insbesondere die Be- und Entladung sowie die Sicherung der Fahrzeuge nehmen einen großen Bestandteil der jeweiligen VDI 2700 Blätter 8.1 und 8.2 ein. Außerdem werden auch hier die relevanten Hilfsmittel wie Zurrgurte und Radunterleger und deren Verwendung im Detail beschrieben.