Direktzurren in der Ladungssicherung

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update Aktualisiert am: 28.07.2026

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Ladungssicherungs-Profis

Was ist Direktzurren?


Beim Direktzurren wird die Ladung durch Zurrmittel, z. B. Zurrketten oder -gurte, unmittelbar gegen Bewegungen in, entgegen und quer zur Fahrtrichtung gesichert. Dazu werden geeignete Anschlagpunkte am Ladegut mit ausreichend belastbaren Zurrpunkten am Fahrzeug verbunden. Bei Schlingenverfahren werden die Zurrmittel um die Ladung geführt. Anders als beim Niederzurren wird die Ladung nicht hauptsächlich durch Vorspannkraft auf die Ladefläche gepresst. Die beim Bremsen, Beschleunigen und bei Kurvenfahrten auftretenden Trägheitskräfte werden überwiegend durch die Zugkräfte der Zurrmittel aufgenommen und in die Fahrzeugstruktur eingeleitet. Die Zurrmittel werden nur so weit vorgespannt, dass sie straff anliegen und nicht durchhängen. Die eigentliche Sicherungswirkung entsteht, wenn die Ladung aufgrund der Fahrbeanspruchung Kräfte auf die Zurrmittel ausübt.

Welche Größen sind entscheidend?


Die wichtigste Kenngröße des Zurrmittels ist die Lashing Capacity (LC). Sie bezeichnet die zulässige Zurrkraft und wird in daN angegeben. Die LC ist auf der Kennzeichnung des Zurrmittels angegeben. Für eine fachgerechte Auslegung müssen außerdem berücksichtigt werden:


  • Masse, Abmessungen und Schwerpunkt der Ladung
  • Beschleunigungsbeiwerte in den jeweiligen Sicherungsrichtungen
  • Reibbeiwert zwischen Ladung und Ladefläche
  • Anzahl und Anordnung der Zurrmittel
  • Belastbarkeit der Zurr- und Anschlagpunkte
  • Zurrwinkel α und β
  • Gefahr des Rutschens und Kippens

Beim Direktzurren ist α der Vertikalwinkel zwischen Zurrmittel und Ladefläche. β beschreibt den Horizontalwinkel zur Fahrzeuglängsachse. Nur die Kraftanteile, die in die jeweilige Sicherungsrichtung wirken, tragen zur Ladungssicherung bei. Ungünstige Winkel können deshalb die nutzbare Sicherungswirkung erheblich reduzieren.

Arten des Direktzurrens


Diagonalzurren
Beim Diagonalzurren werden die Zurrmittel diagonal zwischen Ladegut und Fahrzeug angebracht. Bei einer freistehenden, formstabilen Ladung werden häufig vier Zurrmittel so angeordnet, dass sie Kräfte in Längs- und Querrichtung aufnehmen können.

Schrägzurren
Beim Schrägzurren wirken die Zurrmittel überwiegend in einer bestimmten Sicherungsrichtung. Bewegungsrichtungen, die durch diese Anordnung nicht abgedeckt werden, müssen durch zusätzliche Zurrmittel oder formschlüssige Maßnahmen gesichert werden.

Kopfschlingenzurren beziehungsweise Kopflashing
Beim Kopflashing wird ein Zurrmittel als Schlinge vor oder hinter der Ladung angeordnet und an beiden Fahrzeugseiten befestigt. Es sichert die Ladung grundsätzlich nur in der Richtung, gegen die die Schlinge wirkt. Ein Abrutschen der Schlinge muss durch eine geeignete Führung, beispielsweise eine Palette, Traverse oder ein Halteband, verhindert werden.

Bucht- oder Schlingenzurren
Beim Schlingenzurren wird das Zurrmittel um die Ladung geführt und an Zurrpunkten befestigt. Die Sicherungswirkung hängt von der Führung des Zurrmittels und der jeweiligen Sicherungsrichtung ab.

Geeignete Transportgüter


Direktzurren eignet sich besonders für:


  • Maschinen und Baumaschinen
  • Fahrzeuge und Raupenfahrzeuge
  • Stahlkonstruktionen und schwere Bauteile
  • kompakte oder unregelmäßig geformte Güter
  • druckempfindliche Ladung, die nicht niedergezurrt werden soll
  • Ladungen, bei denen Niederzurren allein nicht ausreicht

Voraussetzung sind geeignete und ausreichend belastbare Anschlagmöglichkeiten am Ladegut. Zurrmittel dürfen nicht an Bauteilen befestigt werden, die für die auftretenden Kräfte ungeeignet sind.

Vorteile des Direktzurrens


Beim Direktzurren kann die zulässige Zurrkraft der Zurrmittel wesentlich besser genutzt werden als beim Niederzurren. Das Verfahren ist weniger stark vom Reibbeiwert abhängig und eignet sich daher besonders für schwere Ladungen. Da keine hohen Niederzurrkräfte auf das Ladegut aufgebracht werden müssen, kann diese Methode außerdem für empfindliche Oberflächen oder druckempfindliche Ladung vorteilhaft sein. Ob die Ladung tatsächlich beschädigungsfrei gesichert werden kann, hängt jedoch von der Ausführung der Anschlagpunkte und der Führung der Zurrmittel ab. Rutschhemmende Materialien können die Sicherung unterstützen, indem sie die Reibung erhöhen und die notwendigen Zurrkräfte reduzieren. Sie ersetzen jedoch weder die Zurrmittel noch den Nachweis der Kippsicherheit.

Vorbereitung und Durchführung


Vor dem Verzurren sind folgende Punkte zu prüfen:


  • Gewicht, Schwerpunkt, Geometrie und Standsicherheit der Ladung feststellen.
  • Erforderliche Sicherung gegen Rutschen, Rollen und Kippen bestimmen.
  • Geeignete Anschlagpunkte am Ladegut und Zurrpunkte am Fahrzeug auswählen.
  • Belastbarkeit sämtlicher Verbindungselemente prüfen.
  • Zurrmittel nach LC, Länge, Endbeschlägen und Einsatzbedingungen auswählen.
  • Erforderliche Zurrkräfte und Zurrmittel nach DIN EN 12195-1 berechnen.
  • Zurrmittel möglichst symmetrisch und in den notwendigen Sicherungsrichtungen anordnen, Formschluss berücksichtigen.
  • Zurrgurte vor scharfen und scheuernden Kanten schützen.
  • Zurrmittel straff, aber nicht unnötig stark vorspannen.
  • Sicherung vor Fahrtbeginn und während des Transports auf Wirksamkeit und Beschädigungen kontrollieren.

Die Belastbarkeit der Zurrpunkte und Anschlagpunkte muss mindestens den tatsächlich auftretenden Kräften entsprechen. Das Zurrmittel darf nicht stärker sein als die schwächste Komponente des gesamten Sicherungssystems rechnerisch genutzt werden kann.

Typische Fehler


Ungeeignete Zurrwinkel
Bei einem ungünstigen Winkel wirkt nur ein geringer Teil der LC in der erforderlichen Sicherungsrichtung. Die vorhandenen Zurrmittel können dadurch trotz hoher LC unzureichend sein.

Zu wenige oder falsch angeordnete Zurrmittel
Alle relevanten Bewegungsrichtungen müssen abgesichert werden. Eine Sicherung nach vorne ersetzt nicht automatisch die Sicherung nach hinten oder zur Seite.

Ungeeignete Befestigungspunkte
Aufbauteile, Griffe, Verkleidungen oder nicht gekennzeichnete Bauteile dürfen nicht ohne Belastbarkeitsnachweis als Zurrpunkte verwendet werden.

Verwechslung von LC und STF
Die LC beschreibt die zulässige Zurrkraft. Die STF bezeichnet die Standardvorspannkraft eines Zurrgurts / Spanngurts und ist vor allem beim Niederzurren von Bedeutung. Beim Direktzurren ist die LC die maßgebende Kenngröße des Zurrmittels.

Fehlender Kantenschutz
Textile Zurrmittel können durch scharfe oder raue Kanten und Ecken beschädigt werden. Geeigneter Kantenschutz oder eine andere Führung des Zurrmittels ist erforderlich.

Fehlender Kippnachweis
Eine Sicherung gegen Rutschen bedeutet nicht automatisch, dass die Ladung auch gegen Kippen gesichert ist. Schwerpunktlage, Abmessungen und Anschlaghöhe müssen gesondert berücksichtigt werden.

Fehlende Kontrolle
Durch Setzbewegungen, Verwindungen des Fahrzeugaufbaus oder Veränderungen der Ladung können Zurrmittel ihre Spannung verlieren. Die Sicherung ist deshalb während des Transports situationsabhängig zu überprüfen.

Rechtliche und technische Grundlagen


Nach § 22 Absatz 1 StVO muss die Ladung so verstaut und gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt, hin- und herrollt oder herabfällt. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. Unterschiedliche technische Regelwerke sind zu beachten, insbesondere:


  • DIN EN 12195-1: Berechnung der Sicherungskräfte
  • DIN EN 12195-2: Zurrgurte aus Chemiefasern
  • DIN EN 12195-3: Zurrketten
  • DIN EN 12640: Mindestanforderungen und Prüfungen für bestimmte Zurrpunkte
  • VDI 2700 und zugehörige Blätter: Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen

Die erforderliche Ladungssicherung muss stets für den konkreten Transportfall festgelegt werden. Pauschale Angaben zur Anzahl der Zurrmittel, der Zurrmittelwahl (Gurtbänder oder Ketten) oder zu universell geeigneten Zurrwinkeln sind nicht fachgerecht.

Häufig gestellte Fragen



Worin unterscheidet sich Direktzurren vom Niederzurren?
Beim Niederzurren erhöht die Vorspannkraft die Reibungskraft. Beim Direktzurren nehmen die gespannten Zurrmittel, z. B. Zurrgurte / Spanngurte oder Zurrketten, die auftretenden Kräfte unmittelbar in den jeweiligen Sicherungsrichtungen auf.

Wie viele Zurrmittel werden benötigt?
Die Anzahl lässt sich nicht pauschal festlegen. Sie hängt unter anderem von Ladungsmasse, Reibbeiwert, LC / daN der Zurrmittel, Zurrwinkeln, Sicherungsrichtung und maximaler Belastbarkeit der Zurrpunkte ab. Maßgeblich ist die Berechnung nach DIN EN 12195-1.

Sind Antirutschmatten erforderlich?
Sie sind nicht grundsätzlich vorgeschrieben, können die erforderlichen Sicherungskräfte jedoch deutlich reduzieren. Voraussetzung ist, dass sie für den Einsatz geeignet, ausreichend dimensioniert und ordnungsgemäß verlegt sind.

Wann sollten Ketten zum Zurren eingesetzt werden?
Zurrketten eignen sich insbesondere für hohe Lasten und robuste Anschlagpunkte sowie für Einsatzbedingungen, bei denen textile Zurrmittel, z. B. Gurte mit Ratsche, ungeeignet sind. Temperatur, Kantenführung, LC / daN und Herstellerangaben müssen berücksichtigt werden.

Sind Direktzurren und Diagonalzurren dasselbe?
Nein. Direktzurren ist der Oberbegriff. Diagonalzurren ist eine häufig verwendete Anordnung innerhalb des Direktzurrens.

Kann Direktzurren gegen Kippen sichern?
Ja. Dazu müssen Zurrmittel, -winkel und Anschlaghöhen so gewählt werden, dass das entstehende Kippmoment ausreichend aufgenommen wird. Die Sicherung gegen Rutschen und die Sicherung gegen Kippen sind getrennt zu betrachten.

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